Diözesan-Caritasverband Speyer, 07.02.2017

"... aber dann kam mein Engel"

Vier bisher wohnungslose Frauen im Modellprojekt des Caritas-Förderzentrums St. Martin

„Wenn du mit der Adresse Kropsburgstraße irgendwo auftauchst, hast du null Chance.“ Die 66-jährige Frau, eine von vier Frauen im Modellprojekt für wohnungslose Frauen in Ludwigshafen, erinnert sich sehr gut an die Demütigungen und die Hoffnungslosigkeit, die bis November 2016 ihr Leben bestimmt hatten. „Aber dann kam mein Engel“, lächelt sie und blickt Katja Nieske an.


Katja Nieske und Petra Grünfelder, die Sozialarbeiterinnen des Caritasverbandes für die Diözese und der Einrichtungsleiter des Caritas-Förderzentrums St. Martin, Stefan Syren, unterstützen die Frau, die unerkannt bleiben möchte, im Projekt für wohnungslose Frauen.

Diplom-Sozialarbeiterin Nieske ist beim Caritasverband für die Diözese Speyer angestellt, um wohnungslose Frauen während einer zweieinhalbjährigen Modellphase im Alltag zu begleiten und sie darauf vorzubereiten, wieder in ein „normales Leben“ zu gehen. Fünf Plätze hat das Land Rheinland-Pfalz in Ludwigshafen für dieses Projekt zugestanden, das im November vergangenen Jahres startete. Das Caritas-Förderzentrum St Martin, ein Haus für wohnungslose Männer, hat sich als Träger dafür beworben und den Zuschlag bekommen. „Das ist für uns eine einmalige Chance, und das muss ein Erfolg werden!“, betont Stefan Syren, Einrichtungsleiter von St. Martin.

Lange dauerte es, bis es gelang, zwei Zweizimmerwohnungen und eine Einzimmerwohnung für insgesamt fünf Frauen anzumieten. „Bezahlbarer Wohnraum ist in der Stadt ohnehin kaum vorhanden, und für dieses Klientel noch weniger“, fasst Syren die lange Suche prägnant zusammen. Rund 20 Anfragen, schätzt Katja Nieske, gingen nach diesen fünf Wohnplätzen bisher ein.

Aber nicht alle Frauen kommen für die Teilnahme am Projekt in Frage. Die 66jährige, die unerkannt bleiben möchte, ist auf jeden Fall geeignet. Denn sie erfüllt komplett die wichtigste Voraussetzung: „Die Frauen müssen aktiv an der Verbesserung ihrer Situation mithelfen wollen“, betonen Syren und Nieske. Nieske weiß aber auch, dass Frauen, die ihre Wohnung und damit noch viel mehr verloren haben, eine Vorgeschichte haben, die sie belastet – das können Ängste sein, psychische Probleme oder auch Alkoholmissbrauch. Deshalb läuft das Projekt für manche schneller und reibungsloser als für andere.

Nieske sieht sich als Alltagsbegleiterin, bahnt Kontakte zu Beratungsstellen oder zu Ämtern an, erstellt mit den Frauen einen Hilfeplan, beobachtet und muss hin und wieder auch zwischen zwei Bewohnerinnen einer gemeinsamen Wohnung vermitteln. „Ich brauch nicht viel, man schraubt die Ansprüche weit herunter, wenn man da war, wo ich war“, erzählt die Bewohnerin.

Die Spirale begann sich bei ihr  im Jahr 2010 abwärts zu drehen, als ihr Mann sie verließ. Anfangs zahlte er noch die Miete für die ehemals gemeinsame Wohnung, dann nicht mehr. Auch nach dem Umzug in eine kleinere, günstigere Wohnung reichte das Geld nicht, Rechnungen wurden nicht mehr bezahlt, zu Behörden traute sich die Frau nicht. „Mir ist das alles über den Kopf gewachsen“, sagt sie. Tiefpunkt ihres Lebens waren dann die zwölf Monate in der Kropsburgstraße. Seit sie im Caritasprojekt untergekommen ist, geht es ständig aufwärts: „Ich bin ruhiger geworden, kann den Kontakt mit Ämtern besser bewältigen und habe gelernt, offene Fragen zu klären. Aber: Ohne Hilfe kommst du nicht zurecht“, ist sie überzeugt.

Dass sie einen Teil ihrer Grundsicherung abgeben muss und nur wenig Geld für das tägliche Leben hat, stört sie nicht: „Man reduziert schnell die Ansprüche“, sagt sie. Dass es das Angebot für die Frauen nicht zum „Nulltarif“ gibt, ist auch Stefan Syren wichtig. „Das Land bezahlt einen großen Teil der Sach- und Personalkosten, für den Rest kommt der Caritasverband auf“, erklärt er. Eine große Weihnachtsspende der BASF, die zweckgebunden für die Arbeit mit Frauen war, half, die angemieteten Wohnungen neu zu möblieren. Die Renovierung wurde von Bewohnern von St. Martin durchgeführt – das sparte Mittel und bot den Männern eine sinnvolle Beschäftigung. Der Freundeskreis des Hauses hat Bereitschaft signalisiert, für Außergewöhnliches wie etwa einen gemeinsamen Ausflug aufzukommen.

Und so ist das Caritas-Förderzentrum St. Martin weiterhin dankbar für jede Spende:

Liga-Bank Speyer

IBAN DE59 7509 0300 0000 0670 59
BIC GENODEF1M05

 

Text und Foto: Caritas / Brigitte Deiters